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KÜNSTLERISCHES PROFIL VON OKAPI

"Mit Kunst können wir die Welt nicht verändern, aber...
Kunst ist der Versuch, den Menschen zu begreifen. (...) Deswegen macht man es.
Damit der Zuschauer mehr über das Verhalten der Menschen erfährt, über deren Nöte, Verzweiflung, Ekstase, Heiterkeit, über deren Untergang... Das ist unsere Pflicht."
Andrea Breth

Der Schauspieler steht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, sein Charakter ist plastisch und erhält drei Dimensionen. Das heißt jedoch, dass auch die Bühne Gestalt annehmen muss, greifbar und gegenständlich wird. Mit oft nur einem Requisit und durch ein Video-System, das Projektionen auf Wand-, Boden- und Deckenflächen des Theaters ermöglicht, löst sich der herkömmliche Bühnenraum in filmartig bewegte Bilder auf, die mit ihrem Licht neue Räume herstellen. So entsteht ein dreidimensionaler Projektionsraum, das Theater zerfließt in einen wandelbaren Raum der Illusion und wird selbst zum Schauplatz.

Der Zuschauer ist nicht länger unbeteiligter Beobachter, sondern steht in innigem Zusammenhang mit dem, was auf der Bühne passiert, er wird ein Teil davon.

Das Phänomen des Raums ist seine Endlichkeit und unendliche Freiheit, die alle Körper, organisch oder mechanisch-künstlich, in dieser Abgrenzung haben. Denn räumliche Bewegungsabläufe sind entscheidend für die Intensität des Stücks. Jeder Schritt des Schauspielers, jede Geste, jedes Objekt tritt in Beziehung zum begrenzten Raum, den Schwingungen des Lichts und der Töne in ihm.

"Denn wie der Geist den Körper baut, so bildet der Bau den Geist um, er befruchtet die räumliche Vorstellungswelt der Dichter."
Walter Gropius

Die Bühne ist abstrakt gestaltet, demgegenüber steht nun ein absolut naturalistisches Spiel. Denn mir liegt daran, Charaktere zu zeigen und keine Figuren anzureißen. Der Zuschauer soll spüren, erfahren, dass die dargestellten Charaktere in ihrer Naivität und Schuld, mit ihren Vorzügen und Fehlern auch seine eigenen Widersprüche repräsentieren. Mich interessiert der Außenseiter, das Individuum, nicht der Typus.
Die Präzision im Spiel ist extrem wichtig, der Text steht dabei im Vordergrund, er muss genau gedacht und durchdrungen werden. Beliebigkeit hat keinen Platz. Auf diese Weise ist es möglich, eine Leichtigkeit und Natürlichkeit in der Darstellung zu erzielen, ohne Gefahr zu laufen, in die Oberflächlichkeit und Plakatierung abzurutschen. Der Zuschauer hat Luft zu atmen und durch die Abstraktion der Bühne bleibt Raum für die eigene Fantasie, die durch die Multimedialität nur angeregt aber nicht beschnitten wird.

"Theater ist (...) lebendiger, vielleicht sogar spiritueller als jede andere Kunst, weil es nur durch die physische menschliche Präsenz in Raum und Zeit existiert."
Irene Bazinger

foto: Ingrun Aran